Le Landeron, die einzige Neuenburgergemeinde am Ufer des Bielersees, liegt am Fusse des Juras und reicht bis in die Seeland-Ebene. Noch bevor sich Le Landeron zu einem Marktstädtchen entwickelte, stand eine befestigte Stadt auf einer Anhöhe die den See überschaute. Dies war Nugerol, eine Festung, die der Graf von Neuenburg dem Bistum Basel entgegenstellte, welches sich damals bis in die unmittelbare Nähe erstreckte. Nugerol und sein Marktplatz, im Jahre 1260 mit Sonderrechten (Freibrief) ausgestattet, wurde noch im selben Jahrhundert im Laufe eines bewaffneten Grenzkonfliktes zwischen dem Grafen und dem Bischof zerstört. Zu jener Zeit wurden auf den Ländereien des Bischofs, die Burg Schlossberg (1283), sowie das Marktstädtchen Neuenstadt (ab 1312) erbaut.
Im Jahre 1325 veranlasste der Graf den Wiederaufbau der Stadt, diesmal an einer anderen Stelle. Er wählte dafür eine kleine Moräneninsel namens Le Landeron aus, welche sich aus einer sumpfigen Ebene erhob. Die neue Stadt, nur wenig von der Zihl und vom See entfernt (I), stand an erstklassiger Verkehrslage, was in einer Zeit, in welcher Flusswege von grosser Bedeutung waren, viele Vorteile brachte. Die Bürger von Le Landeron, Nachkommen der Bewohner von Nugerol, schlossen sich zu einer autonomen Körperschaft zusammen. Im 15. Jahrhundert entfaltete sich die Stadt zur vollen Blüte. Die Bürger wurden immer mächtiger und schlossen im Jahre 1449 mit der Stadt Solothurn einen ewigen Bund. Zu jener Zeit gehörte die Grafschaft noch in den Einflussbereich Berns. Solothurn hatte allerdings schon lange ein Auge auf das Gebiet zwischen den beiden Seen und versuchte mehrmals, die Herrschaft über Le Landeron zu erringen. Der Machtkampf zwischen Bern und Solothurn erreichte im 16. Jahrhundert seinen Höhepunkt. Damals versuchten die Berner, Le Landeron zu reformieren, womit sie bei den Bürgern, welche von Solothurn unterstützt wurden, auf heftige Ablehnung stiessen. Der Städtebund mit Solothurn wurde mehrmals erneuert. Der alte Traum Solothurns, sich in Richtung Welschland auszudehnen, nahm erst 1707 ein Ende, als die Neuenburger ihr Fürstentum dem König von Preussen zuerkannten. Trotzdem blieb Solothurn in Le Landeron gegenwärtig: in der Form eines bedeutenden Weingutes, welches noch heute im Besitze der Bürgergemeinde steht. Die frühesten Einwohner von Le Landeron waren in der Landwirtschaft und im Kunsthandwerk tätig. Stark in ihrer Unabhängigkeit, die ihnen durch Freibriefe zugesprochen worden war, misstrauisch aufgrund schlechter Erfahrungen, reagierten sie heftig auf alles, was ihnen als Bedrohung ihrer Eigenständigkeit erscheinen musste. So zeugt denn auch die Geschichte von verschiedenen Taten ihrer Rebellion.
Das 19. Jahrhundert stand unter dem Zeichen des modernen Zeitalters: Handels- und Gewerbefreiheit, Änderung der politischen Organe als Folge der Schaffung der Republik Neuenburg (1848), Bau von Strassen- und Eisenbahnverbindungen, erste Industrieniederlassungen (Ankersteine für die Uhrenindustrie). Trockenlegung des Grossen Mooses als Folge der ersten Juragewässerkorrektion, Anbau von Gemüsekulturen und Verbesserung der Landwirtschaft und des Weinbaus. Die Gegenwart malerischer, architektonischer Zeugen vergangener Jahrhunderte - der Marktplatz, das Rathaus aus dem 15. Jahrhundert, die Brunnen, die Kapelle von Combes aus dem Jahre 1682, um nur einige zu nennen - verleihen Le Landeron einen ganz besonderen Reiz, der durch die natürliche Schönheit seiner Lage noch verstärkt wird.